Barcelona

Internationales Pueri Cantores Treffen
Reisetagebuch 10. bis 16. Juli 2018



Dienstag, 10. Juli 

Nach einer langen erholsamen Nacht trudelten wir alle pünktlich um 5:30 Uhr am Treffpunkt in Fautenbach ein. Nach ein paar anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten kam letztendlich auch der Bus um 6:00 Uhr an und wir machten uns auf den Weg nach Überlingen. Der Großteil von uns war noch sehr müde und wollte demnach den Schlaf im Bus fortsetzen, jedoch hielt uns ein gewisses Brüderpaar mit ihrer musikalischen Darbietung davon ab. In Überlingen angekommen füllte sich der Bus, darauf hin mussten wir den Umweg durch zusätzliche Kilometer wieder ausgleichen. Um weitere Missverständnisse zu verhindern muss geklärt werden, dass die Schweiz nicht nur „ein Kaffeefleck auf der Weltkarte " ist, sondern ein Land, das so groß ist, dass man mit dem Bus einige Stunden braucht um es zu durchqueren. Da die Schweiz kein Mitglied der EU ist, mussten wir alle auf unser geliebtes Internet verzichten und uns anderweitig beschäftigen: essen, schlafen, essen, Musik hören, essen, spielen, essen ...
Nach anfänglicher Kommunikationslosigkeit mit dem Chor aus Überlingen, führte unser gemeinsames Hobby, das Singen, uns zusammen und wir knüpften schnell neue Kontakte.

Gegen Ende der 15 stündigen Fahrt waren doch alle froh, als wir im Hotel in Südfrankreich ankamen. Als wir nach abenteuerlichen Einparkmanövern unsere Zimmer betraten, mussten wir uns den ersten Schwierigkeiten stellen: ein Zimmer wurde fälschlicherweise doppelt belegt und die Rezeption sperrte daraufhin alle Karten dieses Zimmers. Die Folge war, dass 3 Jungs aus unserem Chor nicht mehr an ihr Gepäck kamen und obdachlos waren. Nach einem ausgiebigen Abendessen bei der amerikanischen Luxusrestaurantkette „zur goldenen Möwe " (Mc Donalds ) entschlossen sie sich, nach Asyl bei einem der anderen Zimmer zu fragen. Während des 3 Gänge Menüs würden wir von jubelnden Franzosen vom Essen abgelenkt, da Frankreich es ins Finale der WM geschafft hat. Der Großteil der beiden Chöre nahm nach dem Essen den Fußmarsch ins renommierte Hotel auf sich, während eine Kleingruppe von uns den naheliegenden See erkunden wollte. Während sie versucht haben sich mit dem Navi zurecht zu finden, gab es im Hotel bereits weitere Schwierigkeiten: Die Mädchengruppe aus Zimmer Nr. 10 hat ihre Zimmerkarten im Zimmer vergessen und schlossen sich so unfreiwillig der Obdachlosigkeit an. Sie fanden jedoch eine ausgefuchste Lösung und kamen so schließlich mit der Hilfe eines Selfiesticks doch in ach so großes Luxuszimmer.
Währenddessen traf die Kleingruppe, die sich auf den Weg zum See machte, auf eine Gruppe von Überlingern, die die selbe Idee hatten und sich durch die deutsche Sprache bemerkbar machten. Nach der enttäuschenden Ansicht des Sees machte sich die neu zusammengeschlossene Gruppe gemeinsam auf den Weg zurück.
Nach diesem ereignisreichen Tag waren doch alle sehr froh, als sie in ihren Luxuszimmern zumindest Betten vorfinden konnten (auch wenn diese im Einzelfall mit den zuvor genannten Obdachlosen geteilt werden mussten).
So konnten alle neue Kraft und Energie für den nächsten Tag tanken, da wir uns dann auf den weiteren Weg nach Barcelona machen.



Mittwoch, 11. Juli
Das durch das Fenster scheinende Tageslicht, welches uns zusammen mit dem Wecker nach der ziemlich warmen und langen Nacht geweckt hat, ließ alle zu ihrem Erfreuen begutachten, wie viele Schnakenstiche sie tatsächlich in der Nacht zuvor gesammelt hatten.
Anschließend begaben wir uns zu dem sehr ausgiebigen und vitaminreichen Frühstück in unserem Luxushotel. Nachdem alle gestärkt waren, machten wir uns auch endlich auf den Weg nach Barcelona.
Während der Busfahrt verbreitete sich große Verwirrung, da der Busfahrer im Minutentakt eine Tankstelle anfuhr. Er musste wegen seiner Kundenkarte eine passende finden. Nach einer 5 Stunden langen Fahrt kamen wir am Studentenwohnheim (alias Hotel) an. Dort wartete allerdings eine Überraschung auf uns: Freundschaften wurden zerissen, da uns größtenteils Einzelzimmer zugeteilt wurden. Jedoch schlossen sich viele der Einzelgänger zusammen um die Nacht nicht allein überleben zu müssen.
Da das Mittagessen 10 Minuten später schloss und wir alle Hunger hatten, stürmten wir zur Essensausgabe.
Durch fehlende Sprachkenntnisse verwechselte manch einer von uns die Salatsoße mit einem typisch katalanischen Getränk, welches sich durch seine Schärfe bemerkbar machte.
Nach dem Essen begaben wir uns gemeinsam mit unseren Freunden zu einer Probe für das morgige Konzert. Der Raum, welcher als Proberaum umfunktioniert wurde, war total gut gelüftet, kühl und überhaupt nicht stickig. So könnte sicher gestellt werden, dass niemand an Kreislaufschwierigkeiten leiden muss. (*hust hust*)


Ohne große Pause begaben wir uns mit der Métro auf den Weg zur wirklich schön gestalteten Eröffnungsfeier (KEINE IRONIE !!). Dort warteten auf uns typisch katalanische Tänze, die durch die großen Figuren und die meterhohen Menschenpyramiden sehr eindrucksvoll wirkten. Im Anschluss durften wir eine wunderschöne Licht- und Wassershow beim Brunnen anschauen.
... das Highlight des Tages war jedoch das blinkende Käsebrötchen, mit welchem Frank uns sicher ins Hotel zurück gebracht hat.
(als Erklärung: das Käsebrötchen wurde als Fahne missbraucht, da wir eine solche nicht dabei haben (laut Frank seien wir zu faul diese zu tragen) und so jeder den Weg sicher zurück finden kann und nicht versehentlich bei einem anderen Chor landet).



Donnerstag, 12. Juli
Nachdem jeder einen Platz beim Frühstück ergattert hat, begaben wir uns ziemlich ausgeschlafen auf den Weg zur Probe für den Nationalgottesdienst. Hierbei ist zu erwähnen, das wir wie gewohnt unseren eigenen Zeitplan eingehalten haben und somit nur ein paar Minütchen zu spät zur Probe kamen. Wie zu erwarten war die Probe nicht allzu notwendig für den weiteren Verlauf. Wieder einmal mussten ein paar von uns ihre Grundbedürfnisse stillen und eine Toilette aufsuchen. Auf dem Weg dorthin wurden sie von Frank aufgehalten und gebeten, ihm doch bitte einen Kaffee zu bringen, falls sie auf dem Weg zur Toilette eine Möglichkeit finden sollten einen solchen zu kaufen (Frank bevorzugt seinen Kaffee schwarz, wie wir aus Erfahrung wissen). Nachdem „kurz“ darauf glücklicherweise Franks Kaffeverlangen gestillt und der Gottesdienst zu Ende war, marschierten wir zurück zur Métro Station. Dort angekommen stiegen wir in die gut gelüftete und kaum überfüllte Bahn.
Um unser Territorium zu markieren, stimmten wir sogleich das Badnerlied an.
Zurück im Studentenwohnheim haben wir realisiert, dass wir nicht die einzigen sind, die stets ihren eigenen Zeitplan befolgen, sondern auch das Mittagessen sich verspätete.
Mit vollem Magen schlenderten wir zurück zu unserem Bus, der uns dann nach Calella brachte (eine Stadt, die für Partys und Strand bekannt ist). Dort nutzten wir die Zeit um uns mit einem Eis abzukühlen, da es Schwierigkeiten mit dem Guide vor Ort gab, der uns eine Stadtführung hätte geben sollen. Anstatt uns bei sommerlichen Temperaturen durch die Innenstadt zu quälen, fuhren wir an einen Leuchtturm, von dem aus wir einen wunderschönen Blick aufs Meer hatte. Beim Großteil des Chores kamen Sehnsüchte auf, sich im Meer abzukühlen - deshalb waren alle sehr glücklich, als der Guide die Führung kurz hielt und die Verantwortlichen entschieden, dass sie unseren Wunsch nach Meer erfüllen.
Nachdem wir etwa 1,5 Stunden am Strand entspannen durften, begaben wir uns wieder gut gelaunt auf den Weg zum Essen. Überraschenderweise gab es Käsebrötchen.
Wir bewältigten das anstehende Konzert gemeinsam mit unseren Freunden aus Überlingen und bekamen von den Zuhörern frenetischen Applaus, einige waren sogar zu Tränen gerührt.
Erschöpft und von der Hitze geprägt, traten wir die Rückreise im Bus gegen 23 Uhr an und erinnerten uns gern an das Zitat des Tages, das wir an der Dusche am Strand vorgefunden haben: „Wasser ist Eis wertvolles und limitiertes Gut. Gehe sparsam damit um.“



Freitag, 13. Juli
Anstatt nach dem Frühstück wie nach Plan uns an einer dreistündigen Probe zu erfreuen, gingen wir bestens gelaunt an den Strand. Jürgen und Frank, die uns den Aufenthalt am Meer erst ermöglicht haben, sind allerdings in die kaum besuchte Probe gegangen, um unseren Chor zu vertreten.

In der Zwischenzeit war der restliche Chor gemeinsam mit unseren Freunden aus Überlingen am Strand angekommen. Während sich der Großteil mit „normalen" Strandaktivitäten, wie schwimmen, sonnen oder sich in die Wellen werfen beschäftigte, zeigten einzelne Chormitglieder Spaß beim Spielen mit toten, angespülten Quallen. Nach unserem Badeausflug kehrten wir wieder zu Frank und Jürgen zurück, gemeinsam ging es zum Mittagessen (KEIN KÄSEBROT !). Dieses fand in einer Halle auf einem Berg, nahe dem Nationalmuseum statt.
Trotz der schönen Kulisse (die sehr an Südamerika erinnert) konnten unsere veganen und vegetarischen Chormitglieder das Essen leider nicht richtig genießen.
Die Veranstalter gingen zur Überraschung aller davon aus, dass man diese Art der Ernährung zu „Allergien" zählen sollte. Die genannte Gruppe musste sich somit von den Essensspenden der anderen ernähren. Nachdem glücklicherweise dann trotzdem alle satt waren, folgte große Verwirrung um den Standort des Busses.
Nach einer sportlichen Suche fanden wir diesen und begaben uns mit dem Chor aus Überlingen und, aus organisatorischen Gründen, auch Mitgliedern eines uns unbekannten Chores, an Bord mit Fahrziel Montserrat.

Dabei handelt es sich um ein Kloster auf den Bergen außerhalb von Barcelona. Nachdem wir in der Bergbahn einen wunderschönen Ausblick (und eine fantastische Fotokulisse) erleben durften, machten wir uns ein Bild vom Kloster, das wir in der darauffolgenden Freizeit auf eigene Faust erkunden durften. Die Expedition endete aufgrund der sommerlichen Temperaturen bei den meisten im Schatten oder am heiß begehrten Eiswagen.
Danach fand das Friedensgebet statt, an dem wir aufgrund der Menschenmassen eher mit den Ohren als mit den Augen teil nahmen.
Nachdem wir das Gebet mit unserer Hymne „Vos estis lux mundi" beendet hatten, konnten wir dank der gelben Bändel die Essensschlange umgehen und mussten somit nicht lange auf die Erfüllung unseres Grundbedürfnisses nach Nahrung warten.
Danach machten wir uns auf den Weg zur Bergbahn. Die Wartezeit wurde durch Laolawellen mit verschiedenen Chören und „Singbattles" zwischen den deutschen und den französischen Chören verkürzt - beide vertraten mit Stolz ihre Nationalität.
Während der Fahrt wurden die Grenzen überwunden und wir sangen gemeinsam lautstark in der Bahn. Nach dem anstrengenden Tag fuhren wir und die Überlinger müde, aber glücklich mit dem Bus zur Unterkunft.



Samstag, 14. Juli
Der heutige Tag wurde durch die Sagrada Família geprägt. Nachdem wir unser ausgewogenes und vitaminreiches Frühstück zu uns genommen hatten, machten wir uns auf dem Weg zu einer Führung dorthin. Glücklicherweise war die Kirche an diesem Tag nur für die Pueri Cantores Mitglieder reserviert, wodurch wir das Privileg hatten, ohne andere Touristen das schöne Gebäude zu besichtigten und so der üblichen Warteschlange zu entgehen.
Durch die Deutschkenntnisse unseres Guides könnten wir die Führung leicht mitverfolgen und uns ganz auf die atemberaubende Kirche konzentrieren. Man muss klar sagen: Wer noch nicht dort war hat etwas verpasst! Zitate wie „Das ist die schönste Kirche, die ich je gesehen habe!" waren durch die bunten Fenster und die besondere Konstruktion nicht selten.

Nach der Besichtigung hatten wir Zeit zur freien Verfügung. Viele von uns ruhten sich im nahe gelegen Park aus oder kühlen sich mit kaum überteuerten Eis ab.
Anders als erwartet, gab es beim anschließenden Mittagessen in einer wunderschönen Schule wieder kein Käsebrot. Da wir am nächsten Tag leider schon den Heimweg antreten mussten, gingen wir alle zusammen (nach einem Abstecher ins Hotel) zu einem Supermarkt, um uns mit Reiseproviant einzudecken. In der darauffolgenden Freizeit vergnügten wir uns in Kleingruppe mit shoppen, im Meer baden oder die Stadt erkunden... Bis auf eine Ausnahme (aber die gibt es ja immer) erschienen auch alle gemäß des Zeitplanes in der oben genannten Schule zum Abendessen.
Anschließend schlenderten wir alle zusammen zurück zur Sagrada Família, wo ausgewählte Chöre ein Konzert gaben. Abschließend endete der Gottesdienst mit einer Choreografie, die wir schon beim Empfangskonzert gelernt hatten. Eine der Begleitpersonen war darüber extrem begeistert und tanzte mit vollem Elan mit.
Trotzdem waren alle nicht unglücklich als das Konzert zu Ende war und wir mit der U-Bahn zurück fuhren. In der Unterkunft angekommen, fielen einige Chormitglieder müde und froh in ihre Betten, während andere den Abend mit unseren geschätzten Überlinger Freunden auf der Terasse ausklingen ließen.



Sonntag, 15. Juli
Nachdem wir am Abend vorher unsere 7 Sachen bereits zusammen gepackt hatten, konnten wir früh morgens zum Abschlussgottesdienst in der Sagrada Família aufbrechen. Zu unserer Verwunderung wurde hier sehr viel gesungen.
Da einige von uns mit Kreislaufproblemen kämpfen mussten, fand sich eine Gruppe draußen wieder.
Nachdem alle wieder einigermaßen bei Kräften waren, brachen wir zum letzten Mittagessen in Barcelona auf, welches diesmal wirklich lecker war!
Kurz darauf begaben wir uns auf den Weg zurück zu unserer Unterkunft, wo auch schon unser Bus bereit zu Abfahrt war.
Dass der Bus schneller als gedacht zu Hause ankam brachte allerdings 2 Seiten mit sich: einerseits waren wir ziemlich glücklich, dass wir dann endlich zu Hause waren, da die Tage doch ziemlich anstrengend waren. Andererseits mussten wir so unsere neugewonnenen Freunde früher als gedacht verlassen.



Montag, 16. Juli

Alles in allem muss man sagen, dass die Zeit wirklich schön war und folgende Personen uns das alles erst ermöglicht haben:

Danke an unsere Eltern, dass sie uns jede Woche in die Probe fahren und uns jetzt auch diese etwas längere Fahrt ermöglicht haben.

Danke an unsere Busfahrer, die uns immer zuverlässig, schnell und sicher an unser Ziel gebracht haben.

Danke an alle Betreuer, die uns immer zur Seite standen und uns unterstützt haben.

Danke an Jürgen, der Franks „Mädchen für Alles“ ist und seinen Spitznamen stets mit Würde trägt.

Danke an die Pueri Cantores Gemeinschaft, die es möglich macht, dass aus einem Summen auf der Straße plötzlich ein länderübergreifendes mehrstimmiges Konzert wird.

Danke an alle freiwilligen Helfer vor Ort, die uns zu jeder Zeit geholfen und unsere Grundbedürfnisse gestillt haben.

Danke an die Stadt Barcelona, dass sie uns dieses Treffen ermöglicht hat und uns die Einwohner immer gastfreundlich begegnet sind.

Ein riesiges Danke an unsere neuen Freunde aus Überlingen, die wir vor ein paar Tagen noch nicht einmal kannten. Sie haben unsere Zeit unvergesslich gemacht, haben uns gezeigt, dass man sich in kurzer Zeit sehr nah sein kann und jederzeit für Spaß bereit waren. (An euch: hoffentlich sehen wir uns bald mal wieder!!)

Das größte Danke geht an Frank, der uns jede Woche mit all unseren Launen in den Proben erträgt und der ebenfalls seinem Spitznamen treu bleibt.
Ohne ihn wären wir nicht da, wo wir jetzt stehen. Er hat uns geprägt und ist immer für uns da.
Außerdem umsorgt er alle seine Chorkinder liebevoll wie ein Vater, der auch immer für Dummheiten bereit ist.
Er zeigt uns, was wir durch das Singen erreichen können und stärkt unsere Persönlichkeit durch die Freiheiten die er uns gibt, was nicht selbstverständlich ist.
Wir können Dir, Frank, nicht oft genug Danke sagen und hoffen, dass wir noch viele schöne Momente gemeinsam als Chorgemeinschaft erleben.

DANKE !

 


Berichte: Josephine und Letizia
Fotos: Gerhard Huber, Chor

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